Ein altes Haus kaufen: die Vor- und Nachteile

Die eigenen vier Wände stehen bei jungen Menschen weiterhin hoch im Kurs. So besitzen laut einer Studie der Österreichischen Notariatskammer 62 Prozent der Österreicher mindestens eine private Immobilie. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: In einem Eigenheim lässt sich vieles punktgenau an die eigenen Bedürfnisse anpassen, es gibt keine Auseinandersetzungen mit anderen Parteien eines Mietshauses und auch die nächste Generation profitiert von einer Immobilie, die sich in der Familie befindet – sie kann ihr entweder als Bleibe oder Geldanlage dienen.

Gerade mit Blick auf die eigene Zukunft gilt ein Haus als hervorragende Altersvorsorge. Wer zeitig genug beginnt, hat das Eigenheim vor der Pension abbezahlt und kann einen Teil der Miete sparen. So lässt sich die Einkommenslücke zwischen Arbeitsentgelt und Rente ein großes Stück weit schließen. Doch was soll es sein? Ein moderner Neubau oder ein charmanter Altbau?

Moderner Neubau oder Altbau?

Bei der Suche nach einem Haus stellt sich zunächst die Frage: Soll der Bau eines neuen Gebäudes in Angriff genommen werden? Oder empfiehlt es sich, nach bereits bestehenden, geeigneten Immobilien Ausschau zu halten?

Wer sich für die erste Variante entscheidet, profitiert von einer Reihe an Vorteilen: Der größte Trumpf ist dabei für viele die Tatsache, dass bei der Gestaltung des Grundrisses, des Grundstücks und der Ausstattung die eigenen Wünsche optimal berücksichtigt werden können. Ein Neubau hat allerdings auch Nachteile: Das Haus muss erst errichtet werden – und das kann dauern. Ein sofortiger Einzug ist somit nicht möglich. Außerdem gibt es auf dem Bau zahlreiche Unwägbarkeiten, welche den Zeitplan und die Kostenplanung ins Wanken bringen können. Alternativ gibt es die Möglichkeit, Neubauten schlüsselfertig zu kaufen. Meist ist allerdings auch bei diesen Angeboten der Einzugstermin nicht zu 100 % garantiert.

Eine dritte Möglichkeit besteht darin, ein altes Haus zu kaufen. Historische Bausubstanz hat oft viel Charme, denn früher hatten die Bauherren noch nicht ausschließlich die Parameter Effizienz und Zweckmäßigkeit im Kopf – vielmehr ging es um aussagekräftige Formen und Details. Darüber hinaus umweht viele dieser alten Gebäude jede Menge Geschichte – und das kann äußerst interessant sein. Und auch in puncto Ressourcen hat ein Altbau mitunter Vorteile: Ein Neubau verschlingt im Vergleich dazu oft enorme Mittel und Zeit für Aspekte wie Wasser, Abwasser, Strom oder die Materialien für den Bau. Für jeden Neubau muss außerdem Boden versiegelt werden. Zwar werden auch beim Altbau durch Umbauten und Renovierungen Baustoffe und andere Utensilien verbraucht, aber der Bedarf ist in der Regel geringer. Etwas Bestehendes und Altes zu revitalisieren, ist also auch ein nachhaltiger Ansatz.

 

Die Nachteile beim Kauf eines Altbaus

Bei all der Euphorie dürfen jedoch die Kosten nicht außer Acht gelassen werden, denn größtenteils müssen die alten Schätze erst wieder auf Vordermann gebracht werden. Das gilt es einzukalkulieren. So geht es hierbei nicht nur um die energetische Sanierung, sondern es sollte auch noch Geld vorhanden sein für Erfordernisse der modernen Zeit, etwa für eine Garage. Möglicherweise lässt sich das Haus dahingehend umbauen. Eine andere Möglichkeit ist ein Anbau. Ist bereits eine Garage vorhanden, so lässt sich diese umfassend renovieren.  


Ein weiterer Nachteil: Bei der Sanierung eines Altbaus lassen sich meist nicht alle eigenen Vorstellungen und Wünsche umsetzen. Besonders schwierig wird es, wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Hierbei gibt es strenge Auflagen, welche die Sanierungskosten in die Höhe treiben können. Vor dem Kauf eines Altbaus ist es deshalb wichtig, Nachfolgekosten und Auflagen genau zu analysieren. Schließlich soll der Traum vom „Haus mit Seele“ nicht plötzlich zum Alptraum werden.

Gut geplant überwiegen die Vorteile

Wer rasch in ein eigenes Haus ziehen möchte, der ist mit einem Altbau gut beraten. Die lange Wartezeit auf die Fertigstellung eines neuen Gebäudes entfällt, sieht man einmal von den Einschränkungen durch Renovierungen ab. Im Gegensatz zu einem Neubaugebiet existiert meist auch bereits eine gewachsene Infrastruktur mit Geschäften, Cafés und einem Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Schulen und Kindereinrichtungen sind ebenso vorhanden, genauso wie Freizeiteinrichtungen oder Sportvereine. Und auch die umliegende Natur konnte sich über viele Jahre hinweg entfalten. Es gibt Bäume, die Schatten spenden, Spielplätze zum Toben oder vielleicht sogar einen Park. Die Natur benötigt Zeit, die man ihr in Neubaugebieten erst gewähren muss.

Ein weiterer Vorteil: Das künftige Zuhause lässt sich besichtigen, während es bei Neubauprojekten häufig nur eine Musterwohnung gibt. Es ist also bereits möglich, ein gewisses Gefühl für das Eigenheim zu bekommen, durch die Zimmer zu schreiten, die Aussicht zu genießen oder sich vorzustellen, wo die Essecke und wo der Lesesessel hinkommen. Ein weiterer, nicht unwesentlicher Vorteil ist der teils niedrigere Kaufpreis. Gut geplant ist der Kauf eines Altbaus also eine hervorragende Investition in die Zukunft.